Erfahrungen prägen unseren Blick.
Rennsport, Unternehmertum, die Arbeit mit Menschen, das Schreiben und viele Jahre unterwegs in der Natur haben meinen Blick auf das Leben geprägt. Nicht jede Erfahrung liefert eine Antwort. Manche führt eher dazu, eine Frage noch einmal anders zu stellen.
Jürgen Anton Schmid
Je älter ich werde, desto deutlicher wird mir, wie schnell ein Leben vergeht. Das bedrückt mich nicht. Es ist für mich ein Grund, aufmerksam mit der Zeit umzugehen, die ich habe.
Ich war Motorradrennfahrer, Unternehmer, Arbeitgeber, Ausbilder und später Coach. Rund zehn Jahre gehörten dem Rennsport. Ich fuhr in der Deutschen Meisterschaft, der Europameisterschaft, teilweise in der Weltmeisterschaft und in Daytona. 1980 wurde ich Deutscher Juniorenmeister. Später gründete ich ein Motorradunternehmen, führte Mitarbeiter und bildete junge Menschen aus. Ende 1999 folgte die Insolvenz.
Auch mein persönliches Leben verlief nicht so, wie ich es mir irgendwann einmal vorgestellt hatte. Zweimal ist eine Ehe gescheitert. Nach meiner zweiten Ehe war ich überzeugt, nie wieder zu heiraten. Heute bin ich mit Katrin verheiratet. Wenn ich daran denke, wie sicher ich mir damals war, muss ich manchmal über mich selbst lachen.
Seit 2000 begleite ich Menschen in persönlichen und beruflichen Veränderungsprozessen. 2007 gründete ich das Wirtschaftsbüro Jürgen Schmid, das ich bis 2026 führte. Ich hielt Vorträge, arbeitete mit Unternehmen und Menschen und habe mich über Jahrzehnte immer wieder aus- und weitergebildet. Nicht alles davon ist für mich heute noch gleich wichtig. Geblieben ist meine Neugier und die Bereitschaft, auch das wieder infrage zu stellen, was ich einmal für richtig gehalten habe.
Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, sagte mein Vater zu mir: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Mit 58 Jahren habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Mit 69 bin ich mit Katrin, Rucksack und Zelt zu Fuß über die italienischen Berge zum Mittelmeer gewandert.
Solche Erfahrungen haben meinen Blick auf vermeintliche Gewissheiten verändert. Ich höre genauer hin, wenn jemand sagt, was man tun müsse, was vernünftig sei oder was in einem bestimmten Alter noch möglich ist. Manche dieser Vorstellungen haben gute Gründe. Andere gelten weiter, obwohl sich das Leben längst verändert hat, auf das sie einmal eine Antwort waren.
Auch der gut gemeinte Rat, einfach auf sich selbst zu hören, ist mir inzwischen zu einfach. Ich habe mich bei wichtigen Entscheidungen von anderen beeinflussen lassen und später festgestellt, dass ich selbst anders hätte entscheiden wollen. Gleichzeitig haben mir Menschen Sichtweisen eröffnet, auf die ich allein nicht gekommen wäre. Deshalb möchte ich hören, was andere sehen. Ich möchte es ernst nehmen und prüfen. Entscheiden muss ich am Ende selbst, denn die Folgen gehören zu meinem Leben.
So arbeite ich auch mit Menschen. Ich höre zu, frage nach, widerspreche, wenn ich einen Grund dafür sehe, und bringe meine Erfahrung ein. Mich interessiert, was sichtbar wird, wenn wir eine Situation genauer betrachten. Was ein Mensch daraus macht, bleibt seine Entscheidung.
Aus dieser Haltung entstehen auch meine Bücher und Vorträge. Ich schreibe über das, was ich erlebt und beobachtet habe, und über Fragen, die mich weiterhin beschäftigen.
Eine davon ist mit den Jahren wichtiger geworden: Was möchte ich mit der Zeit machen, die vor mir liegt?
Darauf habe ich keine endgültige Antwort. Aber ich möchte diese Jahre nicht behandeln, als läge das eigentliche Leben bereits hinter mir. Ich möchte weiter schreiben, lernen, unterwegs sein und mich auf Dinge einlassen, von denen ich heute noch nicht weiß, wohin sie führen.
Heute findet das Leben statt.
Und mein Vater hatte mit seinem Hänschen jedenfalls nicht recht.
Persönliche Gespräche
Manche Fragen lassen sich im Schreiben betrachten, andere werden im Gespräch klarer. Wenn dich eine persönliche oder berufliche Situation beschäftigt und du sie genauer betrachten möchtest, können wir miteinander sprechen.